Im Reallabor Heilbronn sind im Herbst 2024 die ersten Badges vergeben worden. Wir haben mit Iris Steinmetz (Netzwerk-Koordination, experimenta), Robert Friedrich (Jugendforschungszentrum/Schulklassenlabore, experimenta) und Alexandra Neukam (Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Heilbronn) über Open Educational Badges gesprochen.

Wie seid ihr auf Open Educational Badges (OEB) aufmerksam geworden und warum habt ihr euch entschieden OEB einzusetzen?

Iris Steinmetz/experimenta: „Im Februar 2024 ist die Zukunftsallianz MINT-Region Heilbronn gegründet worden. Man hat sich darauf verständigt, innovative Formate sowie zielgerichtet neue Dinge auszuprobieren und zu testen. Zudem richtet die MINT-Region den Blick nicht nur auf die MINT-Fächer, sondern auf das gesamte Feld der Future Skills. Wir haben uns deshalb entscheiden, Badges zum einen in der experimenta als innovatives Format einer Zertifikatsausgabe zu testen. Zum anderen haben wir mit Partner:innen der MINT-Region eine Pionier-Gruppe gebildet, um OEB zu testen. Insgesamt waren acht Partner:innen mit unterschiedlichen Zielgruppen und Kund:innen in der Pilotphase dabei beziehungsweise testen OEB nach wie vor.“

In welchen Kontexten nutzt ihr Badges?

Iris Steinmetz/experimenta: „Dadurch, dass unsere Partner:innen unterschiedliche Zielgruppen haben, ist das eine große Bandbreite. Wir als experimenta haben Schüler:innen als Zielgruppe, angefangen von der fünften Klasse bis zu Teilnehmenden, die im Jugendforschungszentrum an High-Level-Projekten arbeiten. Die Coding School 42Heilbronn hingegen versucht OEB beispielsweise als Skill-Tracker zu nutzen, um auch im Zusammenspiel mit Unternehmen innovative Wege zu gehen. Und dann gibt es noch die Agentur für Arbeit.“

Alexandra Neukam/Agentur für Arbeit: „Wir sind in Doppelfunktion dabei. Auf der einen Seite sind wir eine große Arbeitgeberin mit über 100.000 Beschäftigten in Deutschland. Auf der anderen Seite haben wir die Berufsberatung und versuchen gute Übergänge von der Schule ins Berufsleben zu gestalten. In beiden Fällen finde ich Badges besonders für die Schüler:innen spannend, die eben nicht das beste Zeugnis mitbringen und bestimmte Skills über andere Nachweise, beispielsweise Badges, in Bewerbungen präsentieren. Wichtig dabei ist, dass Badges sehr übersichtlich gestaltet sind und man schnell erfassen kann, welche Kompetenzen die Schüler:innen mitbringen. Wir sind da manchmal schon zu perfektionistisch oder zu kleinteilig unterwegs. Ich weiß, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen keine Ressourcen haben sich mehrere Seiten anzusehen.“

Wie waren eure Erfahrungen mit der Erstellung und Vergabe von OEB?

Robert Friedrich/experimenta: „Die Umsetzung der Badges verlief reibungslos. Wir konnten die in unseren Angeboten definierten Lerninhalte direkt in das übersichtliche Badge-Format übertragen. Auch die Vergabe war unkompliziert: Über einen von OEB erzeugten QR-Code konnten die Teilnehmenden ihren Badge direkt abrufen. Rund 80 Prozent der Schüler:innen haben das Angebot am Ende auch genutzt.

Etwas herausfordernd war die Arbeit mit der ESCO-Datenbank. Zwar sind dort viele Kompetenzen erfasst, doch einige Themen fehlen bisher. Wir haben diese Inhalte deshalb manuell ergänzt. Was zum Glück einfach ist, jedoch die Vergleichbarkeit der Badges etwas erschwert. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass Institutionen in ihren Badges auch individuelle Schwerpunkte abbilden können. Gerade in einer immer spezialisierteren Bildungs- und Berufswelt.“

Wie sind Badges bei Schüler:innen angekommen?

Robert Friedrich/experimenta: „Die Rückmeldungen der Schüler:innen waren durchweg positiv. Viele haben schnell verstanden, dass Badges eine unkomplizierte Möglichkeit sind, einen Nachweis für die bei uns erlernten Fähigkeiten zu erlangen. Die einfache Vergabe per QR-Code kommt besonders gut an, speziell bei technikaffinen Schüler:innen. Wichtig ist, dass man den Nutzen greifbar macht. Wenn erkannt und verstanden wird, dass ein Badge ihre persönlichen Kompetenzen sichtbar macht, ist die Begeisterung sofort da.“

Welches Potenzial seht ihr konkret für eine gesamte Region wie in Heilbronn?

Robert Friedrich/experimenta: „Besonders hilfreich finde ich, dass man als Institution sehen kann, welche Badges andere vergeben. Das schafft Transparenz, inspiriert und erleichtert den Einstieg. Wer neu in das Thema einsteigt, kann sich an bestehenden Beispielen orientieren und eigene Ideen entwickeln. Mein Tipp wäre es, nicht zu kompliziert zu denken, sondern einfach anzufangen und auszuprobieren.“

Alexandra Neukam/Agentur für Arbeit: „Ich würde sagen: Probiert es einfach aus. Es ist vom Handling her super easy. Wenn man erstmal angefangen hat, ist es selbsterklärend. Also keine Berührungsängste! Einfach ausprobieren!“

🔗 OEB-Profil von der experimenta