„Wir erhalten direkteres Feedback zu Bedarfen der Jugendlichen, können unsere Angebote dahingehend besser strukturieren und letztendlich mehr Wirkung erzielen – konkret: OEBs helfen uns auf dem Weg zu Chancengerechtigkeit!“
– START-Stiftung
Wie lassen sich Lernfortschritte sichtbar machen, wenn Lernen nicht in klassischen Kursen mit festen Abschlüssen stattfindet? Wie können Jugendliche erkennen, was sie gelernt haben – und diese Kompetenzen auch für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg nutzen? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich die START-Stiftung.
START begleitet Jugendliche mit Migrationsbezug auf ihrem Bildungsweg. Ihr Ziel ist es, Chancengerechtigkeit zu fördern und Potenziale langfristig zu entfalten. Eine zentrale Rolle spielen dabei digitale Bildungsangebote zu Persönlichkeitsentwicklung, Demokratiestärkung, Engagementförderung, Medienkompetenz und schulischen Themen auf dem START Campus, die Jugendlichen aus der gesamten Community niedrigschwellig offenstehen. Seit dem Schuljahr 2025/26 setzt START dafür auf Open Educational Badges (OEB).
Lernen sichtbar machen – für Jugendliche und Organisationen
Die Idee hinter OEB begeisterte START sofort. Badges, die in einem digitalen Rucksack gesammelt werden können, passen zu einem jugendzentrierten Ansatz, der auf Orientierung, Motivation und Selbstwirksamkeit setzt. Sichtbare Lernfortschritte geben Jugendlichen Halt in einem oft unübersichtlichen Bildungs- und Orientierungsprozess. Für die Jugendlichen bedeuten Badges vor allem Transparenz: Sie sehen, was sie bereits erreicht haben, wie einzelne Veranstaltungen zusammenhängen und in welchen Bereichen sie sich gezielt weiterentwickeln können. Der digitale Ansatz ist nah an ihrer Lebensrealität und wirkt spielerisch motivierend, ohne den Anspruch zu verlieren, Kompetenzen ernsthaft und nachvollziehbar zu dokumentieren. Tatjana Kasper beschreibt diesen Mehrwert so:
„Für die Jugendlichen ist es spannend, ein Zertifikat zu bekommen, welches sie für ihren Berufsweg nutzen können. Für START lässt es wiederum Rückschlüsse zu, welche Angebote wie oft wahrgenommen werden und ob wir durch die Verwendung von Badges Attraktivität und Teilnahmen steigern können.“
Damit entfalten Open Educational Badges ihre Wirkung auf zwei Ebenen: Sie stärken die Orientierung und Motivation der Jugendlichen und liefern START direktes Feedback zu ihren Bedarfen. Auf dieser Grundlage lassen sich Angebote gezielter strukturieren und weiterentwickeln – mit dem übergeordneten Ziel, Wirkung zu erhöhen und Chancengerechtigkeit systematisch voranzubringen.
Badges im Einsatz: START Coding und START Career
Um Erfahrungen zu sammeln, startete START mit einem Badge-Testlauf in zwei Intensivprogrammen:
Bei START Coding werden Teilnahme-Badges für das digitale IT-Rahmenprogramm sowie Kompetenz-Badges für in Online- und Präsenz-Coding-Camps erworbene Fähigkeiten vergeben. Die Formate werden von START und der Partnerorganisation CodeDoor e.V. durch qualifizierte Mentor:innen begleitet. Wer die definierte Mindestanzahl an Formaten absolviert – und dafür einzelne Badges einsammelt – erhält am Ende den Micro Degree „START Coding“. Ein Micro Degree setzt so das Zertifikat am Ende eines Lernpfades. Im Fall von START Coding umfasst der Lernpfad das Erlernen von Programmier-Fähigkeiten bis hin zur Erstellung einer eigenen App. Perspektivisch wird auch geprüft, die Mentor:innen-Ausbildung selbst mit Badges zu zertifizieren und so Qualitätsmanagement auch explizit zu machen.


Bildunterschrift: Jugendliche bei START Coding, Fotocredit: START_André Groth.
Im Programm START Career stehen berufliche Orientierung und Future Skills im Fokus – von der Auseinandersetzung mit eigenen Stärken und Schwächen bis hin zu gewonnenen Einblicken in verschiedene Wissensfelder. Vergeben werden Kompetenz-Badges für digitale Workshops und Praxisformate, z. B. mit Unternehmen, sowie Teilnahme-Badges für den Besuch von Konferenzen oder Vorträgen. Einen Micro Degree erhalten die Jugendlichen nach der Teilnahme an vier digitalen und einer Präsenzveranstaltung.
Beide Programme zeigen exemplarisch, wie sich mit OEB strukturierte Lernpfade abbilden lassen, ohne die notwendige Flexibilität für unterschiedliche Formate und individuelle Lernwege zu verlieren.
Wirkung sichtbar machen entlang der START-Wirkungslogik
Badges sind bei START nicht nur Anerkennung für Lernende, sondern auch ein wertvolles Steuerungs- und Reflexionsinstrument für die Organisation. Katharina Bürkin betont den Mehrwert von OEB:
„Wir ordnen die Kompetenzen, die wir bei den Jugendlichen stärken, unseren Wirkungsdimensionen zu und bekommen somit ein klareres Bild davon, in welchen unserer Wirkungsdimensionen wir am stärksten wirken und wo noch Potenzial steckt.“
Ab Frühjahr 2026 wird diese Wirkungsperspektive durch OEB weiter unterstützt: Das aktuell entstehende OEB-Dashboard visualisiert automatisiert die über Badges anfallenden Daten. Organisationen können so auf einen Blick erkennen, wie sich Badge-Vergaben, Kompetenzfelder und Programme über die Zeit entwickeln. Ergänzend ist eine Export-Funktion geplant, die Daten für interne Auswertungen, Wirkungsberichte oder die Kommunikation gegenüber Förderern und Partnerorganisationen nutzbar macht. So wird es möglich, Wirkung nicht nur qualitativ zu beschreiben, sondern datenbasiert zu analysieren und Lernangebote gezielt weiterzuentwickeln.

Bildunterschrift: Beispiel-Ausschnitt eines OEB-Dashboards.
In einem weiteren Schritt wird es möglich sein, Badge-Daten mit individuellen Kompetenz-Frameworks zu verknüpfen – bei START etwa mit den eigenen Wirkungsdimensionen. Diese können im System hinterlegt werden, sodass im institutionseigenen OEB-Dashboard neben den gestärkten ESCO-Kompetenzbereichen auch sichtbar wird, wie stark die einzelnen Wirkungsdimensionen durch die vergebenen Badges tatsächlich gestärkt werden.
Die OEB-Plattform in der Praxis
Ausgangspunkt für die Badge-Erstellung bei START sind Kursbeschreibungen, die ohnehin für die Kommunikation der Kurse entstehen. Darauf aufbauend tauscht sich das Team mit Kursleitungen und Mentor:innen aus, um zu klären, welche Kompetenzen vermittelt werden. Für die Zuordnung nutzt START sowohl den KI-Assistenten auf OEB als auch eigene Recherchen im ESCO*-Raster. Der KI-Assistent dient als strukturierende Unterstützung und ergänzt die fachliche Einschätzung des Teams durch zusätzliche Vorschläge. Da viele Veranstaltungstexte bewusst kurz und niedrigschwellig gehalten sind, ist es umso wichtiger, diese Hinweise fachlich einzuordnen und entlang der eigenen Wirkungslogik gezielt zu priorisieren. Diese Kompetenzen sind dann fester Bestandteil des Badges.
Die Vergabe der Badges erfolgt entweder direkt per E-Mail an die Teilnehmenden oder bei Präsenzformaten über QR-Codes, über die sie den Badge selbst anfordern können.
Positive Resonanz – und frühe Signale für Wirkung
Das Interesse an Badges zeigt sich bei START auf mehreren Ebenen. Besonders deutlich wird es bei den Jugendlichen selbst: Viele der Teilnehmenden – bei START Coding sogar alle – haben ihre Badges beantragt und heruntergeladen. Sie freuen sich über die Möglichkeit, die Badges im Lebenslauf nutzen zu können, und sehen darin einen potenziellen Vorteil im Bewerbungsprozess. Auch wenn es noch früh ist, beobachtet START in einzelnen Bereichen bereits steigende Teilnehmendenzahlen und möchte weiter untersuchen, welchen Anteil die Einführung der Badges daran hat. Darüber hinaus fragen Jugendliche gezielt nach Badges für weitere digitale Veranstaltungen – sie werden als attraktiv und relevant wahrgenommen.
Innerhalb von START regen Open Educational Badges eine intensivere Auseinandersetzung mit Kompetenzzielen an. Gleichzeitig wächst das Interesse bei Partnerorganisationen aus dem Bildungsbereich und bei Unternehmen, die das Potenzial standardisierter, digitaler Kompetenznachweise aufmerksam verfolgen.
Lernen aus der Praxis: Was START weitergibt
Für einen nächsten Einsatz würde START vor allem eines tun: früher mehr Kolleg:innen einbinden und den Badge-Prozess intern klar dokumentieren. Hilfreich ist es zudem, sich zu Beginn auf einige zentrale Kompetenzen zu verständigen – „so verliert man sich nicht im ESCO-Dschungel“ und kommt schneller ins Tun. Mit etwas Vorlauf lassen sich Abläufe stärker standardisieren und automatisieren, etwa durch eine bevorzugte Vergabe per QR-Code direkt im Anschluss an Veranstaltungen. Empfehlen kann START den persönlichen Support durch das OEB-Team, die FAQ und Video-Tutorials auf der OEB-Webseite sowie die bereitgestellten Badge-Vorlagen als grafisches Grundgerüst. Der wichtigste Tipp lautet: Einfach machen. „Die Teilnehmenden profitieren, werden motiviert und ihr Lernfortschritt wird sichtbar und übertragbar.“
→ Langfristig plant START, Badges auf alle Veranstaltungen auszuweiten und Lernpfade konsequent entlang der eigenen Wirkungsdimensionen zu gestalten. So sollen Jugendliche noch klarer erkennen können, in welchen Kompetenzfeldern sie sich entwickeln – und welcher Weg sie dabei unterstützt.


Bildunterschrift: Badges von START.
*OEB arbeitet mit einem inhaltlichen Standard, dem ESCO-Kompetenz-Standard. ESCO ist die Kompetenz-Taxonomie der EU und enthält 14.000 Skills in 28 Sprachen. Dadurch sprechen unsere Badges alle die gleiche Sprache, sind vergleichbar und anschlussfähig – egal, wo sie erworben worden sind.
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