Digitale Grundkompetenzen sind heute unverzichtbar – in Schule, Ausbildung, Beruf und Alltag. Mit der internationalen ICDL-Zertifizierung („Computerführerschein“) existiert seit vielen Jahren ein weltweit anerkannter Standard, der genau diese Fähigkeiten prüft und sichtbar macht. In Deutschland verantwortet die Dienstleistungsgesellschaft für Informatik (DLGI) die Zertifizierung. Als Vorreiter im Bereich digitaler Bildung gestaltet sie die Bildungslandschaft aktiv mit und entwickelt sie konsequent weiter. Für die DLGI stellte sich dabei die zentrale Frage: Wie lassen sich Qualifikationen zeitgemäß dokumentieren? Die Antwort fand das Team in Open Educational Badges (OEB).

„OEB bietet eine smarte, flexible und intuitiv einsetzbare Möglichkeit, individuelle Badges zu erstellen und zu vergeben“, sagt Oliver Stroh, der die Einführung begleitet. Entscheidend war nicht nur die inhaltliche Qualität der Badges, sondern auch die technischen Einbettungs-Möglichkeiten: Die Vergabe sollte nahtlos über das bestehende ICDL-Kundenportal erfolgen. Genau das ermöglicht die Anwendungs-Programmier-Schnittstelle (API) der OEB-Plattform.

Digitale Kompetenzen – datenbasiert, verifizierbar, teilbar
ICDL verfolgt ein klares Ziel: Digitale Qualifikationen sollen eindeutig nachweisbar, verifizierbar und sofort einsetzbar sein. Badges dienen Schüler:innen, Auszubildenden und Berufstätigen als digitaler Nachweis bestandener Prüfungen in Bereichen wie Office-Anwendungen, Datenverarbeitung, IT-Sicherheit oder Online-Kommunikation. Zum Einsatz kommen zwei Badge-Typen: Kompetenz-Badges für einzelne Prüfungen sowie Micro-Degrees für Zertifikate, die mehrere Module verbinden. Die zugrunde liegenden Kompetenzen orientieren sich am internationalen ICDL-Standard, der eng mit DIGCOMP* und damit auch mit dem europäischen Kompetenzrahmen ESCO** verknüpft ist, der die Grundlage für Badges auf OEB bildet. So entstehen digitale Nachweise, die europaweit verständlich, anschlussfähig und flexibel einsetzbar sind.

Der technologische Kern: Badge-Vergabe direkt aus dem eigenen System
Der entscheidende Schritt war die direkte Anbindung des ICDL-Kundenportals an die offene OEB-API – eine Schnittstelle, über die beide Systeme sicher miteinander kommunizieren. Damit werden Badges genau dort vergeben, wo auch die Prüfungen verwaltet werden: im eigenen Portal der DLGI, ohne manuelle Zwischenschritte. Nach bestandener Prüfung erscheint für Lernende der Button „Badge anfordern“. Ein Klick darauf genügt: Das Portal authentifiziert sich per Client-ID und Secret über die API bei OEB und bekommt einen (OAuth) Token, den es benutzt, um automatisch den passenden Badge per E-Mail zu verschicken. „Der Badge erreicht die Lernenden ohne Umwege und macht ihren Kompetenz-Erwerb sofort sichtbar“, so Oliver Stroh. Für die DLGI bedeutet diese Architektur maximale Effizienz und einen durchgehend schlanken Prozess. Für die Lernenden heißt es: sofortige, verifizierbare und teilbare digitale Nachweise – ideal für Bewerbungen, Online-Profile oder Karriereplattformen wie LinkedIn. Besonders digitalaffine Nutzende integrieren ihre Badges aktiv ins Portfolio, während im schulischen Bereich die Nachfrage stetig wächst, je klarer der Mehrwert wird.

Bildunterschrift: Der “Badge anfordern”-Button im ICDL-Portal.

ICDL-Badges: Standards, KI-Assistent und eigene Kompetenzen
Bei der Badge-Erstellung kombiniert das Team Standardisierung mit eigener Fachlogik. Der KI-Assistent von OEB bildet dabei den Einstieg: Er schlägt passende ESCO-Kompetenzen für die Lerneinheiten vor, die das Team anschließend thematisch verfeinert oder über das Suchfeld ergänzt. Das visuelle Design der Badges entsteht durch externe Grafikdienstleister. In einigen Fällen finden sich in ESCO nicht die passenden Kompetenzen – etwa bei Zertifikaten, die die DLGI für externe Partner erstellt. Dann formuliert das Team eigene Kompetenzbeschreibungen direkt in OEB, um die fachlichen Anforderungen präzise abzubilden. Zu Beginn war es für die DLGI ungewohnt, dass OEB den Kompetenzerwerb über Zeit abbildet. Da die DLGI selbst keine Kurse durchführt, sondern Lernmaterial bereitstellt und Prüfungen abnimmt, schien die Angabe von Stunden zunächst schwer einzuordnen. Bei näherer Betrachtung wurde jedoch deutlich: ICDL gibt seinen Partner:innen ohnehin Richtwerte zur Bearbeitungsdauer der Module. Diese lassen sich sinnvoll auf einzelne Kompetenzen herunterbrechen und schaffen eine einheitliche Orientierung. Inzwischen sieht das Team den Mehrwert klar – die zeitliche Einordnung macht die Badges präziser und bietet Lernenden wie Partnerinstitutionen hilfreiche Transparenz. Für die Zukunft wünscht sich die DLGI noch mehr Flexibilität beim Badge erstellen, zum Beispiel die Möglichkeit, die ausgewählten Kompetenzen im Badge-Editor per Drag-and-Drop nach Kategorien zu sortieren.

Bildunterschrift: Badge von ICDL mit ESCO-Kompetenzen.

Erkenntnisse aus der Praxis
Digitale, verifizierbare Nachweise erleichtern Lernenden den Auftritt in beruflichen Kontexten. Sie verbinden etablierte Fachstandards mit moderner Verifizierbarkeit und sind genau dort verfügbar, wo sie gebraucht werden. Die direkte API-Anbindung hat den Vergabeprozess für die DLGI so effizient gemacht, dass keine manuellen Schritte mehr notwendig sind – alles läuft automatisiert, sicher und zuverlässig im Hintergrund. So entsteht ein System, das Prüfungsleistungen nicht nur bestätigt, sondern digitale Kompetenzentwicklung sichtbar macht und ein reibungsloses Ergebnis für die Nutzenden bietet. Die OEB-API eignet sich gut für Organisationen, die hohe Badge-Mengen vergeben oder ihre Zertifizierung nahtlos in bestehende Plattformen integrieren möchten. Inzwischen ist auch das Badge erstellen und bearbeiten über die API auslagerbar und aus der eigenen Plattform heraus möglich. Und den Lernenden kann jetzt ihr Rucksack mit Badges und Kompetenz-Profil im eigenen System angezeigt werden.
Es zeigt sich, dass auch Partner/Kunden der DLGI den Mehrwert schnell erkennen: Viele reagieren laut Stroh ausgesprochen positiv auf die Möglichkeit, Badges für die Lerneinheiten erstellen zu lassen. Die DLGI bietet diese Option daher bewusst proaktiv an, als erweitertes Serviceangebot, das ihre Zertifizierungen stärkt.

Die Zukunft der digitalen Zertifizierung
Für die DLGI steht fest: Badges sind ein zentraler Baustein für die Zukunft der Zertifizierung. Sie verbinden formale Nachweise mit moderner, kompetenzorientierter Dokumentation und eröffnen Lernenden neue Möglichkeiten der Sichtbarkeit weit über traditionelle Papier- oder PDF-Zertifikate hinaus. Gleichzeitig zeigt die Integration über die OEB-API, wie einfach sich digitale Badge-Vergabe in bestehende Systeme einbetten lässt.
Oliver Stroh blickt optimistisch nach vorn: „Wir freuen uns darauf, dass sich Badges durchsetzen und Lernende ganz selbstverständlich erwarten, dass sie für abgeschlossene Leistungen auch einen Badge bekommen.“ Bis dahin geht die DLGI aktiv voran – überzeugt davon, dass digitale Nachweise die Entwicklung moderner Qualifizierung entscheidend mitgestalten.

🔗 OEB-Profil von ICDL

🔗 Technische API-Dokumentation Einleitung

🔗 Detaillierte Endpunkt-Dokumentation

🔗 Funktionen der API: Info-PDF

*Das Digital Competence Framework for Citizens (DigComp) ist ein europäischer Referenzrahmen zur Bewertung und Förderung digitaler Kompetenzen im Rahmen von lebenslangem Lernen.  Entwickelt von der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission dient DigComp als Grundlage für Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Teilhabe. DigComp ist auf das ESCO-Datenmodell abgestimmt.
**OEB arbeitet mit einem inhaltlichen Standard, dem ESCO-Kompetenz-Standard. ESCO ist die Kompetenz-Taxonomie der EU und enthält 14.000 Skills in 28 Sprachen. Dadurch sprechen unsere Badges alle die gleiche Sprache, sind vergleichbar und anschlussfähig – egal, wo sie erworben worden sind.