In der offenen Werkstatt von Futurelabs in Lauda-Königshofen können sich Jugendliche ab 12 Jahren digital, kreativ und handwerklich ausprobieren. Kostenlos, ohne Notendruck und ohne vorgegebene Aufgaben. Hier zählt nur eines: Neugier. Wer kommt, darf ausprobieren, tüfteln, scheitern, neu denken – und dabei entdecken, wo die eigenen Stärken liegen.

Lernen ohne Noten – aber mit Anerkennung
Doch wie lässt sich solches nonformales Lernen sichtbar machen? Wie können Fortschritte gewürdigt werden, die außerhalb von Schulnoten passieren? Diese Fragen haben das Futurelabs-Team zur Entwicklung eines papier- und stickerbasierten Badge-Systems geführt. „Wir wollten von Anfang an auch eine digitale Möglichkeit der Anerkennung“, erzählt Sina Hautzinger. „Als wir OEB kennengelernt haben, war schnell klar: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Die Plattform ist erprobt, flexibel und kompetenzorientiert – genau das, was wir gesucht haben.“

Vom Werkstattprojekt zum digitalen Lernpfad
Futurelabs hat für die Jugendlichen eine Experience Journey entworfen: einen Lernpfad, der zeigt, wie sie sich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Jede Stufe besteht aus 3 Badges mit klar definierten Kompetenzen. Wenn diese erworben wurden, gibt es den Lernpfad-Abschluss-Badge Micro Degree.
Den ersten Badge („Member“) erhalten Jugendliche bereits für den Mut, vorbeizukommen und Neues auszuprobieren. Weitere Badges dokumentieren Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Teamarbeit oder Engagement in der Community.

Analog sichtbar – digital vernetzt
Bei Futurelabs sind Badges nicht nur digital, sondern auch analog erlebbar:
In der Werkstatt hängt für jede:n Teilnehmende:n eine personalisierte Karte mit der eigenen Experience Journey. Jeder erreichte Badge wird mit einem farbigen Sticker markiert. „Die Jugendlichen sind stolz auf ihre Karte. Wer viele Badges hat, wird bewundert – das motiviert ungemein“, erzählt Sina. Parallel dazu erhalten die Jugendlichen ihre Badges digital über OEB, direkt per E-Mail oder sie fragen ihn per QR-Code an. Auf der OEB-Plattform sammeln sie Badges im „Rucksack“, sehen ihr Kompetenz-Profil visualisiert und können die Badges als Sammlungen in Bewerbungen integrieren.

Bildunterschrift: Die analogen Badge-Karten in der Futurelabs-Werkstatt.

Lernen mit Spaß und Selbstreflexion
Badges machen nicht nur Kompetenzen wie Kreativität, Teamfähigkeit oder Durchhaltevermögen sichtbar – sie regen auch zu Selbstreflexion an. Jugendliche können Badges bei Futurelabs selbst einfordern, wenn sie glauben, eine Fähigkeit erworben zu haben. So entsteht ein Dialog über Lernen, der Selbstbewusstsein fördert. Und: Er macht Spaß. Gamification gehört bei Futurelabs sowieso dazu: In der Werkstatt steht eine selbstgebaute Arcade-Station – wer Badges sammelt, verdient sich außerdem Spielzeit. „Das war für viele ein zusätzlicher Anreiz“, lacht Sina.

Badges erstellen auf OEB
Bei der Erstellung der Badges hat der OEB-KI-Assistent unterstützt. Das integrierte Tool verknüpft Kompetenz-Badges mit zum Lernangebot passenden Kompetenzen nach dem europäischen ESCO-Standard*. Das macht sie vergleichbar und anschlussfähig. „Manchmal mussten wir beim Prompten ein bisschen ausprobieren, aber am Ende hat es gut funktioniert“, berichtet Sina. Die größte Herausforderung: für die sehr individuellen Lernwege passende Zeitangaben zu finden. Heute arbeitet das Team mit Durchschnittswerten – wichtig ist die Nachvollziehbarkeit.
Besonders geschätzt wurde der persönliche Support durch das Team von Open Educational Badges: „Ich kann nur empfehlen, die Kontaktangebote zu nutzen. Es ist toll, dass man einfach schreiben kann und direkt Unterstützung bekommt.“

Erkenntnisse und Ausblick
Für Futurelabs steht fest: Das Badge-System stärkt Motivation, Selbstreflexion und Anerkennung – gerade für Lernprozesse, die sonst unsichtbar bleiben. „Unsere Jugendlichen verstehen durch die Badges besser, was sie eigentlich können“, sagt Sina. „Und sie bekommen Lust, den nächsten Schritt zu gehen.“
Im kommenden Jahr soll OEB über das Plugin enger mit dem Check-in-System der Werkstatt verknüpft werden, damit digitale und analoge Lernwelten noch stärker zusammenwachsen.

Tipp für andere Organisationen
„Erstellt zuerst Probe-Badges. So lernt man die Plattform spielerisch kennen und kann von Anfang an mitdenken, wie die Badges zur eigenen Lernumgebung passen.“

🔗 Hier geht es zum ausführlichen Interview mit Sina Hautzinger

🔗 OEB-Profil vom FutureLabs

* OEB arbeitet mit einem inhaltlichen Standard, dem ESCO-Kompetenz-Standard. ESCO ist die Kompetenz-Taxonomie der EU und enthält 14.000 Skills in 28 Sprachen. Dadurch sprechen unsere Badges alle die gleiche Sprache, sind vergleichbar und anschlussfähig – egal, wo sie erworben worden sind.